English Version
Facebook Instagram Twitter Pinterest Youtube RSS-Feed
Navigation
Litauen - die große Unbekannte begeistert

Litauen - die große Unbekannte begeistert

Verfasst von am am 23.01.2018 um 12:53.

Litauen war für uns wie ein blinder Fleck auf der Landkarte. Dass es das südlichste und größte Land des Baltikums ist, an das konnten wir uns noch aus dem Schulunterricht erinnern. Alles weitere glich der Eroberung einer großen Unbekannten.

Das erste der drei Baltischen Staaten auf unserer Route sollte auch gleichzeitig die größte Überraschung werden. Von Polen kommend, war unsere erste Station in Litauen ein ruhiger Kurort namens Druskininkai. Der erste von vielen. Palanga, Neringa und Juodkrantė an der Ostseeküste sollten noch folgen.

Doch uns war nicht nach Thermalbädern und Kneippbehandlungen, vielmehr erfreuten wir uns an den endlosen Sandstränden der litauischen Ostsee. Allein der Anblick des Meers erzeugt bei uns Binnestaatlern schon ein Gefühl der Freude. Die meist stürmische See war allerdings Ende August bereits zu kalt um mehr darin zu baden als eine Zehenspitze.

Auf dem Weg zur Ostseeküste machten wir Halt in Vilnius. In dieser übersichtlich großen, aber quicklebendigen Stadt fühlten wir uns wohl und blieben drei Tage. Einen Tag in Vilnius haben wir in unserer Bildergalerie mit einigen Fotos festgehalten.

Als Übernachtungsplatz in der Hauptstadt können wir das Downtown Forest Hostel & Camping überaus empfehlen. Die Lage ist sehr zentral, dennoch ist es ruhig, gemütlich und sehr grün. Im Hostel findet man sämtliche Infrastruktur die man braucht und direkt davor gibt es einige Stellplätze für Camper.

Kreuze über Kreuze

Auf der Strecke zwischen Vilnius und dem Meer liegt ein ganz besonderer Ort in Litauen - der “Berg der Kreuze”. Da wir uns ja nicht viel aus Religion machen, hatten wir anfangs unsere Zweifel, ob dieser Wallfahrtsort in der Nähe der Stadt Siauliai ein Besuch wert wäre.

Kreuze soweit das Auge reicht. Noch mehr Bilder davon gibt es in der Bildergalerie.

Der Anblick des Hügels besetzt mit hunderttausenden Kreuzen in der ansonsten flachen Landschaft ist ein außergewöhnlicher - irritierend und faszinierend zugleich. Unzählbar viele Kreuze in allen möglichen Größen und aus den verschiedensten Materialien gefertigt wurden von BesucherInnen an diesen Hügel abgelegt, stets verbunden mit einem Wunsch, Dank oder Gedenken. Unsere Augen fanden keine Stelle des Hügels, die nicht von einem Kreuz bedeckt war - wohin unser Blick auch wanderte, überall Kreuze.

Über die Entstehung des Berg der Kreuze ranken sich mehrere Legenden, Tatsache ist allerdings, dass der Ort zum Symbol gegen die Herrschaft der Sowjets in Litauen wurde. Mehrere Versuche des kommunistischen Regimes die aufgestellten Kreuze zu zerstören, gelangen nicht. Immer wieder wurden neue Kreuze aufgestellt. Schließlich etablierte sich der Berg als Symbol des nationalen Widerstandes. (->Weitere Fotos vom Berg der Kreuze in der Bildergalerie)

Sonne und Sand

An der Ostseeküste angekommen, wartete die Kurische Nehrung auf uns, die auf so mancher Landkarte leicht zu übersehen ist. Auch wir hörten von einem Bekannten vor Abfahrt zum ersten Mal von der zum UNESCO Weltkulturerbe ernannten Halbinsel, die zu einer Hälfte zu Litauen, zur anderen zu Russland gehört.

Die Dünen von Nida auf der Kurischen Nehrung.

Ausgehend von der Stadt Klaipeda, befuhren wir die schmale, insgesamt 98 km lange Landzunge von Norden nach Süden. Nach 50 Kilometern wartete allerdings die russische Grenze und wir konnten ohne Visum nicht in den zu Russland gehörenden Teil reisen. Nichtsdestotrotz verbrachten wir drei Tage im litauischen Teil dieses urwüchsigen Naturparadieses mit seinen beeindruckenden Wanderdünen, ruhigen Stränden und kleinen Pfaden durch Kiefernwälder.

Unser Vorhaben wild zu campen hatte sich allerdings bald als nicht verwirklichbar herausgestellt, da auf der Kurischen Nehrung alle Waldwege mit Schranken oder Ketten versperrt waren. Verständlich, bedenkt man die Anzahl der TouristInnen die sich in den Sommermonaten dort aufhalten. Alle Camper sind angehalten, den einzigen Campingplatz auf der Halbinsel zu nutzen. Dieser war uns allerdings trotz Nebensaison zu “konventionell”, und wir zogen ihm ein kleines Hostel in der Kleinstadt Nida vor. Zimmer für uns, Parkplatz vor der Türe für den G.

In den hohen Dünen rund um Nida fühlten wir uns wie in einer nordafrikanischen Wüste. Bei einem Picknick steckten wir die Füße in den kühlen Sand und ließen uns gerne dazu verleiten wie Kinder begeistert Sandburgen zu bauen.

Kulinarische Glückseligkeit

Nicht nur landschaftlich hat Litauen zu überzeugen gewusst, sondern auch was die traditionellen Speisen betrifft.

Litauen sei als Reiseland jenen empfohlen, die einen Kaffee nicht nur als Koffeinquelle betrachten, sondern auch gewisse qualitative Ansprüche stellen. Dass selbst kleinste Cafés ihren Kaffee auf Baristaniveau zubereiten, hat uns überrascht und einen Teil des G-Trotter Teams im siebenten Himmel gewähnt.

Litauische Kartoffelklöße (Zeppeline)

Zu dem in Litauen gern getrunkenen “Kwass” - ein leicht alkoholisches Getränk das durch Gärung aus Brot hergestellt wird, sagten unsere sonst so verwöhnten Gaumen bereits nach einer ersten Kostprobe einstimmig “Nein Danke”. Ein kulinarisches Highlight in Litauen war hingegen "Saltibarsciai“- die aus Litauen stammende kalte rote Beete Suppe.

Kartoffeln sind das zweite Brot der Litauer, sie kommen täglich und das ganze Jahr über auf den Tisch - was mir, als bekennende Kartoffel Liebhaberin, auch sehr entgegenkam. Verschieden gefüllte Kartoffelklöße (Zeppeline) und Kartoffelpuffer mit allen erdenklichen Zutaten (Gemüse, Speck) verfeinert, ließen mein Herz höher schlagen.

Wie war ich glücklich zu erfahren, dass auch die LettInnen ganz ähnlichen kulinarischen Genüssen frönen und ich im nächsten der von uns zu bereisenden baltischen Länder nicht auf meine geliebten Kartoffelspeisen verzichten müsste.

Diesen Artikel kommentieren
Bildergalerie zu diesem Thema

Kommentieren:

Weitere Artikel